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Mittwoch, 25 August 2010

Im letzten Artikel befasste ich mich mit der dramatischen Entwicklung am Lehrstellenmarkt. Die nun folgenden Zeilen sind eine Auseinandersetzung mit möglichen Folgen. Die Zukunft der Techniker und Meister, die Säulen der Führung im operativen Bereich, ist abhängig von der Menge und Qualität der Facharbeiter.
Der Erfolg unserer Wirtschaft ist nur gegeben, wenn FacharbeiterInnen ausreichend ausgebildet und entwickelt werden.

(Autor: Erich Sturmair)
Sonntag, 25 Juli 2010

Das System der guten Lehrlingsausbildung ist der Erfolgsfaktor für unsere Wirtschaft. Viele Unternehmen tragen, im Sinne der Zukunftssicherung, dazu bei.
Die aktuelle Entwicklung der Lehrlingsausbildung in Österreich ist ein Zeichen von Zukunftsverweigerung. Die verpasste Chance nennt Egon Blum sein jüngstes Papier zur Lehrlingsausbildung in Österreich.

(Autor: Erich Sturmair)
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Sonntag, 25 Juli 2010

Situation der Lehrlingsausbildung 2010


Das System der guten Lehrlingsausbildung ist der Erfolgsfaktor für unsere Wirtschaft. Viele Unternehmen tragen, im Sinne der Zukunftssicherung, dazu bei.
Die aktuelle Entwicklung der Lehrlingsausbildung in Österreich ist ein Zeichen von Zukunftsverweigerung. Die verpasste Chance nennt Egon Blum sein jüngstes Papier zur Lehrlingsausbildung in Österreich.

(Autor: Erich Sturmair)

Er meinte in seiner Einleitung zum Papier 'verpasste Chance':

Namhafte Wirtschaftsexperten und einige politisch engagierte Volksvertreter sind sich darüber einig, dass wir Wachstum – und damit Wohlstand und Arbeitsplätze - nur dann sichern können, wenn es gelingt, Österreich als attraktiven Produktions- und Dienstleistungsstandort – auf international gefordertem Niveau – zu erhalten bzw. zu stärken. Nachdem sich die 2009 begonnene „Lehrstellentalfahrt“ - mit einem Rückgang von minus 4.029 betrieblichen Lehrstellen - auch in den ersten 5 Monaten 2010 mit minus 9,9% der betrieblichen Erstjahreslehrlinge gegenüber dem Vorjahresmonat unvermindert fortgesetzt hat, ist die Befürchtung berechtigt, dass wir in Österreich Zielgerade auf ein Jugendbeschäftigungs- und Fachkräftedilemma zusteuern.’

Neue Facharbeiter sind das Ergebnis einer erfolgreichen Lehrlingsausbildung. Diese Aufgabe ist für Unternehmen entscheidend, um in Zukunft erfolgreich im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte einen Vorteil zu haben.

Das Jugendbeschäftigungspaket brachte ab 28. Juni 2008 eine Neuordnung der Ausbildungsförderung für Lehrbetriebe. Ein zentraler Punkt dabei ist die „Zukunftsförderung – Lehre“ ein Impuls zur qualitativen Ausbildungsförderung. Das Ergebnis ist aus heutiger Sicht katastrophal. Die Lehrlingszahlen sinken dramatisch, die Förderungen werden nur zum Teil genutzt und der Ansatz auch junge Menschen mit Lernschwierigkeiten in die Lehre zu bringen wird nicht aufgegriffen.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer meinte im September 2009 anlässlich einer Rede in der WKO: „Die Zahl der 15-jährigen sinkt bis 2015 um etwa 1000 pro Jahr“. Diese Entwicklung verschärft das Problem um ein Vielfaches. Wenn der Markt der Auszubildenden kleiner wird so beginnt der Wettstreit um diese zwischen berufsbildenden Schulen und der Lehrlingsausbildung. Die Lehrlingsausbildung hat jedoch zurzeit freiwillig zurückgesteckt wie aus dem Bericht Arbeitsmarkt & Bildung im Juni 2010 des AMS zu lesen ist, wenn es da heißt:

Die Zahl der (sofort verfügbaren) vorgemerkten Lehrstellensuchenden betrug Ende Juni 2010 in Österreich 4.185 (-84 bzw. -2,0% im Vergleich zum Vorjahr). Die Anzahl der (sofort verfügbar) gemeldeten offenen Lehrstellen stieg um 129 bzw. 4,6% auf 2.912 Lehrstellen. Die Nachfrage nach Lehrstellen übersteigt damit das Angebot, in Summe fehlten im Juni 1.273 Lehrstellen. Rein rechnerisch fielen damit Ende Juni 2010 auf jede offene Lehrstelle 1,4 Lehrstellensuchende, das ist ein geringeres Verhältnis als im Vorjahr (1,4 zu 1). Regional betrachtet kam es wieder zu deutlichen Unterschieden: Während in Wien 617, in Niederösterreich 559 und in der Steiermark 249 Lehrstellen fehlten, war in Salzburg die Nachfrage nach Lehrstellen um 395 und in Tirol um 290 geringer als das Angebot.

Hinzu kommt, dass gerade Berufe die mit körperlichen Anstrengung verbunden (Schlosser, Maurer, Spengler, Maler, Zimmerer …. um nur einige zu nennen) sind,  für die jungen Menschen zunehmend unattraktiv werden.

In den letzten Jahren wurde sehr viel investiert um die 'Karriere mit Lehre' zu probagieren. Die Lehre als Fundament für berufliche Entwicklung oder akdemische Weiterbildung zu etablieren. Die Anstrengung die Lehre mit Matura als normaler Start in die Ausbildung, als gute Alternative zum schulischen Weg, ist nun schwer belastet. Wenn es an Lehrstellen mangelt, dann erst recht an Lehrstellen mit besonderer Qualität.

Zusammengefasst die wesentlichen Probleme:

  • Die demografischen Entwicklung zeigt sinkende Zahlen bei Fünfzehnjährigen.
  • Die Zahl der Beginner sinkt dramatisch.
  • Ab dem Jahr 2013 werden über 4000 weniger Facharbeiter die Prüfung machen.
  • Die Konzentration auf Berufe ohne körperliche Anstrengung ist Mode.
  • Fachkräfte die das Handwerk und Gewerbe braucht werden (sind) Mangelware.
  • Die Förderung zur Qualität Lehrausbildung wird schleppend angenommen.
  • Das Image der Lehre, welches in den letzten Jahren mühsam verbessert wurde, wird wesentlich beschädigt.

Das wird für unsere Wirtschaft, vor allem für die KMU’s, zu einem der größten Probleme für die nächsten Jahre.
Nur eine drastische Wendung kann den Schaden auf Jahre in Grenzen halten.

Praxis der Lehrlingsausbildung

Die Menschen, welche Lehrlinge ausbilden, haben durchwegs eine besondere Freude und Liebe bei dieser Aufgabe. Lehre ist ja ein besonderes Lehr- / Lernverhältnis.

Das Ausbildungsergebnis beinhaltet, dass der Lehrling genau so gut oder besser wird, als der Ausbildner selbst. Ein Verhältnis, welches für die schulische Bildung normalerweise kaum zutrifft.

Die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung macht kooperative und partnerschaftliche Führungs- und Anleitungsarbeit notwendig. Junge Menschen die als Bürger frei entscheiden sollen, müssen bald lernen, ihre Interessen zu verteidigen und auch durchzusetzen. Unsere Schulen sind derzeit noch im Umbruch und vielfach noch nicht soweit, dass diese Skills ausreichend entwickelt werden.

In den Medien wie Fernsehen und Internet wird jedoch ein anderes Szenario vermittelt. Dieser Widerspruch zwischen „man müsste doch“ und der realen „man traut sich nicht“ führt zu Spannungen und Aggressivität. Der notwendige Überblick und die Gesamtsicht für die täglichen Herausforderungen sind bei Lehrlingen oft noch nicht ausreichend entwickelt.

Diese Trends erfordern Ausbilder mit besonderer Kompetenz. Dazu gehören ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick, positive Konfliktbewältigung und ein tiefes Verständnis für die Probleme von jungen Menschen von heute. Die hohe fachlichen Kompetenz die man für die Ausbildung braucht wird oftmals auf den Prüfstand gestellt, weil die Jungen Menschen in der modernen Informationswelt Buchwissen leicht verifizieren können.

Die hohe Komplexität moderner Technologien macht fachliche Spezialisierung notwendig. Es sind jedoch die persönlichen und sozialen Fähigkeiten die Fachspezialisten brauchen um ihr Wissen auch weiter geben zu können. Wissen mit anderen zu teilen und stetiges Lernen ist die Herausforderung für die Zukunft und der Erfolgsfaktor Nummer eins für Unternehmen.

Die Lust am Lernen ist gegeben, wenn dies mit Begeisterung geschieht. Die Hirnforschung hat diesen Umstand vielfach nachgewiesen, meint Prof. Dr. Gerald Hüther. Begeisterung entsteht, wenn etwas gut gelingt, wenn jemand erfolgreich mit seinem Tun ist und das Andere dieses sehen und anerkennen.

Erfolgreich handeln bei der Lehrlingsausbildung ist besonders Wirkungsvoll, wenn auch andere davon etwas lernen. Der Erfahrungsaustausch, das begeisterte 'voneinander lernen' wie erfolgreiche Lehrlingsausbildung gelingt, soll mithelfen die Lehre wieder zu neuer Attraktivität zu verhelfen.

Unser Unternehmen will einen konstruktiven Beitrag dazu leisten. Wir veranstalten im späten Herbst ein 'best parctice forum', wo die Betriebe mit Lehrlingsausbildung ihre guten Erfahrungen austauschen können und Unternehmen die in Zukunft Lehrlinge aufnehmen wollen Tipps und Trick mitnehmen können.


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